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13.02.2018 Von: Mäcki Albert

(Eine) Club-Geschichte...

von "Mäcki" Albert, Mitglied des Ältestenrats

Das Wort "Geschichte" kann hier durchaus doppeldeutig interpretiert werden - und,…das ist gewollt.

Der SMCÜ hat, wie wohl jeder Club, seine Geschichte (sprich Historie) und auch seine Geschichten, die - von Mund zu Mund weitererzählt - durchaus dem Clubleben dienlich sind.

Es war im Jahre 1985 - der Verein bestand damals bereits 15 Jahre -, als ein "junger" Mann im "zarten" Alter von 40 Lenzen einschließlich seiner Hanni die Mitgliedschaft in unserem Segelclub beantragte.

Wie ihr heute alle wisst, wurde dieser Antrag positiv entschieden, was wiederum direkten Einfluss auf die Entstehung unseres Flaggenmastes hat.

Doch der Reihe nach:

An einem sonnigen Tag Anfang Mai, eben in besagtem Jahre 1985, sitzt man bei Bier, Wein und/oder Wasser - letzteres in Maßen getrunken - vor dem Clubhaus und genießt die Kraft der frühlinghaften Bodenseesonne. Als Sitzmöbel dienten damals noch Biertische und -bänke, die, sollte es einmal festlicher aussehen, mittels Reißnägeln und weißen Papierbahnen aufgehübscht wurden. Zum Frühschoppen allerdings kam diese durchaus mühevolle Dekoration nicht zum Tragen, war man doch zum Festen und nicht zum Arbeiten auf der Terrasse erschienen - frei nach dem Motto: lieber Feste feiern als feste arbeiten.

Ich werde im illustren Kreise der altgedienten Mitglieder herzlich aufgenommen, genoss ich doch den Vorzug, einige der Honoratioren bereits seit jungen Jahren persönlich zu kennen - oder besser, sie mich - segelte ich doch von Überlingen aus seit meinem achten Lebensjahr.

Karl Wehn, ein inzwischen verstorbenes Gründungsmitglied, fragte eher beiläufig, ob nicht irgendjemand einen intakten Holzmast gebrauchen könne. Seine "Quirl" - ein kleiner, stählerner Fahrtenkreuzer - hatte als Upgrade einen neuen Alu-Mast samt Baum erhalten, und da war der alte Holzmast schlicht und einfach überflüssig. Zum Verbrennen zu schade, lag er nur sperrig im Weg.

Das war meine Stunde. Wie beiläufig erforschte ich das Interesse der Anwesenden, ob aus seemännischer Sicht nicht ein bunt beflaggter Mast den Hafen, unser Clubhaus und damit auch unsere Terrasse aufwerten könne. Und ich stieß, wie wir heute wissen, nicht auf taube Ohren. Die Mitglieder waren begeistert, hatte ich mich doch bereit erklärt, dieses Projekt zum Leben zu erwecken. Es sollte "mein Baby", gewissermaßen als "Gesellenstück", mein Einstand als Neuling der SMCÜler, werden.

Die Planung war in meiner Hand, Hilfe bekam ich von einem einheimischen Metallwerker, der den Mastfuß schweißte. Das stehende Gut, nämlich Wanten, Toppnant, Brassen und Piekfall wurden von Segelsport Frik gesponsert und abgelängt. Auch die Orgelbauer kamen zum Zug: Orgelbauer Horst Prachtel (inzwischen verstorben) und Heinz Horst (SMCÜ-Mitglied) fertigten Stenge (Mastverlängerung) und Gaffel an.

Nun galt es nur noch ein Rigg zusammenzustellen, welches auch bei Sturm standsicher alle notwendigen Flaggen zu tragen vermochte. Der Großbaum der "Quirl" wurde zur Rah (Querstange) umfunktioniert, die Gaffel per Lümmelbeschlag am Mast befestigt, die Flaggleinen durch entsprechende Blöcke geschoren - wie ihr seht, ist das gelungen!

Im Laufe der Jahre ist "mein" (natürlich unser!) Flaggenmast von vielen fleißigen Helfern betreut worden. Erwähnt seien hier nur die hauptamtlichen: Herr Böhm (inzwischen verstorben), der als Clubhauswirt jeden Morgen und Abend die Flaggenparade zelebrierte, Dieter Scheutzow (inzwischen verstorben) mit Ehefrau, Manfred Emler, heute aktuell Paul Rau und meine Wenigkeit.

Last but not least möchte ich Paul an dieser Stelle unser aller Dank aussprechen. Er ist als Schreinermeister die perfekte Besetzung der "Planstelle Flaggenmast". Auch jetzt, im frühen Jahr 2018, wurde unser Mast auf einem betagten Segelflugzeughänger in die warme Obhut seiner Werkstatt verbracht. Dort wird er von Meister Paul - hoffentlich ohne Zutun von Pumuckel - von Grund auf saniert. Zur Hauptversammlung wird er wieder stehen, der Mast: in seinem Topp an der Stenge der blau-weiß-rote Clubstader, an der Gaffel die schwarz-rot-goldene Nationale, flankiert von den rot-weißen Nationalflaggen Österreichs und der Schweiz.