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29.07.2010,10:21:41 Logbuch SY „Tin-Tin“ 7 Bild anklicken zum Vergrößern

15. Juli 2010
Standort: φ 53°17,81N λ 005°05,38E (noch Vlieland)

Eigentlich wollten wir ja bereits auf dem Weg nach Borkum sein. Doch das gestern Abend eingeholte Handy-Wetter hat uns davon abgehalten. Zum Glück. Nachts legt der Wind dann zu – Südsüdwest 6 bis 7 Bft, in Böen 8. Heute, tagsüber, wird die „8“ auf der Windanzeige zum Standard und auch die „9“ erscheint in Abständen. Die „Tin-Tin“ legt sich hier im Hafen in Böen teilweise so stark über, dass das Frühstücken zum Balanceakt wird: In einer Hand die Teetasse, in der anderen das Glas Milch. Und als dann auch noch die Wasserkanne das Weite suchen will, bin ich fast schon überfordert. Draußen heult der Sturm in den Masten, selbst die stäbigen Plattbodenschiffe liegen weiterhin im Päckchen „brav“ an der Pier. Nur der Katamaran, der die Insel mit dem Festland verbindet, donnert ungerührt der Wetterkapriolen mit über 40 Knoten an unserem Hafen vorbei. Von Bord können wir vorerst nicht. Da die unbändige Kraft des Seitenwindes die „Tin-Tin“ auf den Schlengel presst, besteht die Gefahr, dass die Fender nach oben weggedrückt werden. Und das gilt es zu vermeiden.


17. Juli 2010
Standort: φ 53°33,69N λ 006°44,84E (Borkum)

Nach zwei Tagen hat sich das Wetter beruhigt. Nachdem der Wind rückgedreht hat – was immer ein schlechtes Zeichen ist (Troglage, nochmaliges „Aufbäumen“ des Windes) – ist er heute wieder, in abgeschwächter Form, in seine alte Südwestrichtung verfallen. Grund genug für uns, nach zwei Tagen Sturm, ans Auslaufen zu denken. Schließlich sind wir nicht zum Vergnügen da… 
Ich rechne - ein Stück Papier, einen Bleistift und die „Gezeitentafeln Europäische Gewässer 2010“ vor mir – die für uns günstigste Konstellation aus. Ergo: Auslaufen Vlieland eine Stunde vor Niedrigwasser, also um 6:30 Uhr. Meine Überlegung: Wir lassen die „Tin-Tin“ vom letzten ablaufenden Wasser von der Insel in die freie Nordsee schieben, dann kentert der Strom und… wir haben ihn von achtern, in Richtung Borkum. Soweit die Theorie, sie hat funktioniert. Auf diesem über 70 Seemeilen weiten Weg haben wir kontinuierlich den Strom von achtern, werden von einer Regenböe erfasst, reiten sie gerefft ab, rauschen mit acht Knoten Fahrt (über Grund, dank Strom) durchs Hubertgat und erreichen Borkum nach 17 Uhr. Der Hafen ist gut voll, die Schiffe tanzen im Schwell. Der Hafenmeister des ansässigen Clubs weist uns einen Liegeplatz parallel an der „Casa Nautica“ – einem Wohnschiff – zu. Mit unseren Nachbarn, ein Paar um die 50, einigen wir uns über zwei Dosen Bier, ihren Strom anzapfen zu dürfen. Alles in trockenen Tüchern, wir liegen sicher und - sind bei den beiden als Päckchenlieger willkommen.


19. Juli 2010
Standort: φ 54°10,25N λ 007°53,60E (Helgoland)

Nordwestwärts verläuft der Kurs der „Tin-Tin“ durch das Borkumer Fahrwasser. Dann, nachdem wir das Borkumriff deutlich umfahren haben, geht’s auf Ostkurs in Richtung Helgoland – dem Dreh- und Angelpunkt der Nordseesegler. Die Skyline von Borkum zieht sich, bleibt lange Zeit an Steuerbord sichtbar. Man glaubt sich nicht von der Stelle zu rühren. Doch der Wind ist passend und kommt als Südwind der Stärke 3 bis 4 von Land. Unsere große Chance: Der Gennaker wird aus der Achterkajüte mühsam vorgekramt und gesetzt. Das Schiff läuft hervorragend. Gegen Mittag hat sich die Thermik an Land durchgesetzt und… unsere mäßige Südbrise schläft ein. Wie schon so oft war die ganze Mühe umsonst, es wäre zu schön gewesen. 60 Seemeilen unter Gennaker, welch ein Traum – es wird ein Traum bleiben.
Spät abends laufen wir in den Vorhafen von Helgoland ein und gehen dort vor Anker. Jetzt noch in den übervollen Innenhafen einzulaufen, um dann als 15tes oder gar 20stes Boot im Päckchen zu liegen, tun wir uns nicht an. Jetzt ist die Stunde für ein gutes Glas Rotwein, nach zurückgelegten 74 Seemeilen.
Eine ausgerüstete Fahrtenyacht ist ein komplexes technisches System. Und einmal erwischt es jeden. So auch uns: Ohne Vorankündigung schweigt unsere elektrische Pumpe für die Frischwasserverteilung. Sie hat ihren Geist aufgegeben. Wasser aus den Tanks gibt es ab sofort nur noch über eine kleine Fußpumpe in der Pantry. Was nun? Der Schiffsausrüster auf Helgoland hat sie nicht im Sortiment, er verkauft lieber Klamotten in allen Farben und Größen, für warme, kühle, nasse und bedeckte Tage. Expresslieferungen zur Insel werden nur mit Einschränkungen zu organisieren sein – wenn man denn einen Partner an Land hat, der das Teil zum Flieger oder Dampfer bringt. Zu kompliziert und zu teuer. Notlösung: Wir müssen wieder nach Cuxhaven. Es folgen Telefonate mit dem Ausrüster Niemeyer und dem Hafenmeister von Cuxhaven. Die Zusage: Die Pumpe wird am Donnerstag, also übermorgen, in „Cuxidorf“ eintreffen. Unsere Odyssee geht weiter, auf und zurück nach Cuxhaven. Da waren wir doch bereits am 27. April dieses Jahres?!?


21. Juli 2010
Standort: φ 53°52,50N λ 008°42,35E (Cuxhaven)

Auf der Überfahrt haben wir wieder einmal den ungünstigsten Wind, nämlich genau „auf den Kopf“.
Wir warten mit dem Auslaufen bis 13 Uhr, um wenigstens nicht auch noch Probleme mit den Gezeiten zu bekommen. Meine Rechnung geht auf, ab „Elbe 1“ kommt der Flutstrom von achtern. In der Deutschen Bucht ist das Polizeiboot „Sylt“ auf UKW aktiv: Ein holländischer Frachter wird auf sein falsch eingestelltes AIS-Signal hingewiesen, er liegt vor Anker und ist nicht in Fahrt… – Ein anderer wird aufgefordert, seine Fahrt zu vermindern, die Beamten wollen zwecks Kontrolle an Bord kommen… – Ein dritter, auf der Durchfahrt, wird belehrt, dass seine deutsche Gastlandsflagge nicht korrekt gesetzt ist, das Schwarz gehört nach oben, nicht das Gold…! Und so gestaltet sich die Überfahrt zum Festland für uns recht kurzweilig, dank der Freunde in Blau-Weiß, die ihr Umfeld ordentlich „aufmischen“.
Am späten Nachmittag baut sich im Südwesten eine schwarze Wand, eine Gewitterfront auf. Noch rechtzeitig, nur von einigen Tropfen begleitet, macht die „Tin-Tin“ im Hafen der Segler Vereinigung Cuxhaven fest. Freie Plätze gibt es wider Erwarten genügend. Und das zur Hochsaison?
Pünktlich am Donnertag kommt das ersehnte Paket vom Yachtausrüster. Die Pumpe ist schnell eingebaut – Problem behoben. Und so nutzen Hanni und ich diesen Donnerstag für Wartung und Reparaturen, zum Putzen, um Gas zu besorgen und sonstigen ungeliebten Arbeiten – wo doch eigentlich Seemannssonntag ist!!!
Freitag: Waschtag. Hanni stellt fest, dass der Schmutzwäschebeutel bereits überquillt.
Die Wetteraussichten: Nordwest 5 bis 6, in Böen um 7 Bft.
Samstag: Hafenfest. Wir haben Glück. Heute und morgen ist hier großes Fest. Es gilt den Rettungskreuzer „Hermann Helms“, das Zollboot „Glückstadt“ und das alte Feuerschiff „Elbe 1“ zu besichtigen. Außerdem erwartet uns eine auf Holzkohle gegrillte Krakauer und ein gut gezapftes Beck’s - nach unserem Rundgang. Statt holländischem Matjes endlich wieder ’mal ’ne herzhafte Grillwurst - hat auch ’was.
Doch die Wetteraussichten: Nordwest bis Nord, 4 bis 5 Bft.
Sonntag: Große Wanderung über den Deich, vorbei an der legendären Kugelbake, nachmittags liegen dann 12 Kilometer Fußmarsch hinter uns.
Die Aussichten für die nächsten drei, vier Tage: Wind aus Nordwest bis Nord.


26. Juli 2010
Standort: φ 54°10,94N λ 009°26,40E (NOK / Gieselau-Schleuse)

Jetzt reicht ’s. Muss denn Wind und Wetter generell gegen uns sein? Wir wollen doch gen Norden. Da können wir keinen Nord- oder Nordwestwind gebrauchen. Aufkreuzen? Mit kleiner Crew – sprich wir beide - bei diesen weiten Strecken, auch nicht die Lösung. Motoren? Nein, das haben wir uns geschworen, wollen wir vorerst nicht mehr. Das haben wir zur Genüge in den holländischen Kanälen getan. Wir wollen endlich Strecke segeln!!! Weiter in Cuxhaven verweilen und auf eine geeignete Windrichtung warten? Wollen wir auch nicht. Wir haben ja bereits fünf Tage hier gelegen. Jetzt ist Schluss! Was bleibt? Plan B!
Schweren Herzens entschließen wir uns, abermals den Nord-Ostsee-Kanal – diesmal ostwärts - zu passieren und uns wieder dem Revier Ostsee zuzuwenden. Es war wunderschön in den Kanälen von Holland, es war schön auf der Nordsee, wenn denn die Gezeiten, die Windrichtung und dessen Stärke wenigstens annähern zusammen passten. Doch bereits im Mai bekamen wir diese Disharmonie (Gezeitenstrom gegen Starkwind aus Nordwest) zu spüren. Das kostete uns gegen die Planung mindestens eine Woche. Nun beginnt das Theater von neuem. Nein, nein, nein! Nun ist’s genug.
Am Montagmorgen verlassen wir Cuxhaven mit Kurs auf Brunsbüttel. Hanni hatte ja mit den Schleusen abgeschlossen, nun muss sie noch mal ran. Problemlos, dank holländischer Erfahrung, hat sie das im Griff. Und so landen wir nachmittags im Stichkanal zur Schleuse Gieselau, auf einem idyllischen Längsseits-Liegeplatz, umgeben von Schilf und anderen Wasser liebenden Gewächsen. Die kleine, funktionstüchtige Schleuse – gebaut um 1937 – verbindet die Eider mit dem Nord-Ostsee-Kanal und liegt wenige zig Meter von uns entfernt. Stark frequentiert wird sie nicht und dennoch trägt das Kommen und Gehen der Boote zu unserer Kurzweil bei. Eine Übernachtung gestattet die Kanalordnung, dann sollte die Fahrt fortgesetzt werden.


27. Juli 2010
Standort: φ 54°19,73N λ 009°42,96E (NOK / Rader Insel)

Auch die „Tin-Tin“ verlässt am nächsten Morgen in aller Ruhe – wir haben alle Zeit der Welt – diesen heimeligen Liegeplatz und macht sich auf den Weg in Richtung Kiel-Holtenau. Wir unterbrechen die eintönige Kanalfahrt im Borgstedter See, liegen nun an der Rader Insel. Dazu ist noch zu berichten: Ende April kostete die Übernachtung für die „Tin-Tin“ noch 14,- €, heute, drei Monate später zahlen wir bereits 17,- €! Hat hier auf der Insel bereits die gefürchtete Inflation durchgeschlagen? Ist doch merkwürdig. Nun, wollen wir nicht meckern. Strom, WLAN, Wasser und Dusche sind frei – so gesehen haben wir schon deutlich teurer gelegen.

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SMCÜ Bilder
News Übersicht
02.09.2010,20:49:42 Logbuch SY „Tin-Tin“10
20. 08. 2010
Standort: φ 56°24,24N λ 010°55,49E (Grenaa - DK)

Der Tag beginnt für uns wie seit Tagen nicht mehr: Die Morgensonne steht am blauen Himmel, eine freundliche Brise weht aus Südwest, der Hafenmeister schenkt uns eine Übernachtung und verabschiedet sich per Händedruck von mir.
24.08.2010,14:29:54 Schatzkistle
Traditionell Mitte August konnte dieses Jahr die Präsidentin des Segel- und Motorbootclub Überlingen, Gabriele Kromer-Schaal, 25 Mannschaften zur Regatta begrüßen.
20.08.2010,12:10:45 Brüder Schaal Vierte bei IDJM
Brüder Schaal Vierte bei der Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaft der 420er
Frederik und Henrik Schaal vom Segel- und Motorbootclub Überlingen schrammten nur knapp an einem Podestplatz vorbei und erreichten Platz 4.
19.08.2010,21:24:40 Logbuch SY „Tin-Tin“ 9
09. 08. 2010
Standort: φ 55°48,97N λ 010°38,40E (Ballen / Samsø - DK)

Ballen ist wie immer voll. D.h.
09.08.2010,11:30:54 Logbuch SY „Tin-Tin“ 8
29. Juli 2010 Standort: φ 54°20,36N λ 010°09,50E (Kiel)
Vor uns liegen die Schleusen von Kiel-Holtenau.

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