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02.09.2010,20:49:42 Logbuch SY „Tin-Tin“10 Bild anklicken zum Vergrößern

20. 08. 2010
Standort: φ 56°24,24N λ 010°55,49E (Grenaa - DK)

Der Tag beginnt für uns wie seit Tagen nicht mehr: Die Morgensonne steht am blauen Himmel, eine freundliche Brise weht aus Südwest, der Hafenmeister schenkt uns eine Übernachtung und verabschiedet sich per Händedruck von mir. Endlich können wir uns auf See begeben, den Hafen Øster Hurup hinter uns lassen. Also, nichts wie los, hoch mit den Segeln und ab geht die Post. Carpe diem – nutze den Tag! Die ersten 10 Seemeilen läuft es super, dann zieht der Himmel langsam wieder zu, die ersten Tropfen lassen nicht lange auf sich warten. Der Wind dreht rück auf Süd und zwingt uns zum Aufkreuzen. Aus vier werden fünf Windstärken, geht auch noch, Reffen wird noch nicht notwendig. Die „Tin-Tin“ liegt, dank im letzten Hafen angeschlagener Arbeitsfock, gut im Ruder. Nach fast acht Stunden ist Grenaa erreicht, 39 Seemeilen liegen hinter uns. Abends im Hafen geht das Theater wieder los – Regen, Regen, Regen. Der Deutsche Wetterdienst stimmt auch nicht gerade zuversichtlich: Morgen sollen es wieder vier bis fünf Bft. werden, später zunehmend auf sechs. Das ganze aus Südwest, da weiß man genau, dass das nicht ohne Nässe von oben abgehen wird. „Prost - Mahlzeit“, wie der Süddeutsche bei solchen Aussichten zu sagen pflegt.


21. 08. 2010
Standort: φ 55°47,71N λ 010°31,68E (Kolby Kås / Samsø - DK)

Und so knüppeln wir gegenan, schaufeln badewannenweise Wasser übers Deck (Positiv! Ist gut fürs Teak) und sind frustriert. Tunø sollte es werden, eine kleine, beliebte Insel auf dem Weg zum Kleinen Belt. Seit Jahren versuchen Hanni und ich, dieses Fleckchen dänischer Natur zu erreichen, nie ist es uns gelungen. Nach vielen Stunden des Kämpfens, gegen 16-00 Uhr sind wir mit unserer „Tin-Tin“ kurz vor dem Ziel. Bereits durchs Fernglas sehe ich Mast an Mast dicht gedrängt. Und vor dem Hafen streben immer noch ’zig Yachten den Hafen von Tunø als Wochenendziel an. Wochenendziel, das war das Stichwort. Wie konnte ich nur so dusslig sein und diesen von den Dänen so beliebten Hafen ausgerechnet zum Wochenende ansteuern. Ich gebe auf, ändere meinen Kurs noch vor der Einfahrt um 40 Grad nach Backbord und steuere den unscheinbaren Hafen Kolby Kås an. Nach über acht Stunden Kampf gegen Wind und Welle haben wir beide Ruhe und Entspannung dringend nötig. Und das bietet Kolby Kås. Hier ist „der Hund begraben“. Im Anschluss an den vorgelagerten Fährhafen gibt es noch jede Menge freie Plätze. Wir sind kaum fest und der Wind dreht auf Nordwest – unser Traumwind auf Südkurs. Dieser hätte uns souverän von Grenaa nach Samsø schieben können, ohne Frust, ohne Kampf. Aber nein, wir haben mit der Windrichtung dieses Jahr immer nur Pech…
Apropos Pech, kommen wir noch zu meinem persönlichen – Hanni nennt das so: „Samsøsyndrom“. Bereits vor vielen Jahren, wir fuhren noch die alte, kleinere „Tin-Tin“, sind wir in Kolby Kås knapp an einer Katastrophe vorbeigeschlittert: Das Akku-Ladegerät hatte, aus welchen Gründen auch immer, sich mit deutlicher Überhitzung „abgemeldet“, was bleibende schwarze Verkohlungen unter der Hundekoje hinterlassen hat. Jetzt, fast 20 Jahre später, bin ich beschäftigt, das Oberlicht über Hannis Koje mit neuen Abdichtungen zu versehen. Es tröpfelte immer noch durch. Die Aufstellbremse des Skylights wird dazu geöffnet und … das Oberlicht fällt zu und quetscht mir im Bereich der Scharniere den linken kleinen Finger platt, dass seine Hautumhüllung förmlich zerplatz ist. Mein Aufschrei kam zu spät, das Blut lief, der Schmerz war höllisch. Mit viel Haushaltspapier, chirurgischen Pflasterstreifen und Hansaplast haben wir alles wieder zusammengeflickt und harren nun der Besserung. Dann, zwei Tage später – die „Tin-Tin“ liegt längsseits an einer höheren Kaimauer - stolpere ich morgens nach dem Duschen beim Anbordsteigen über den Relingsdraht und lande bäuchlings auf dem Kajütdach: Prellung der Schulter und Zerrung in der Beckenbeuge. Dann noch ein Rückblick: Bereits auf dem Weg nach Norden, vor knapp drei Wochen in Ballen, stolperte ich auf dem Steg über wild ausgelegte Stromkabel und „legte mich lang“. Das ist Samsø und unsere persönliche Feindschaft. Hanni verbietet mir für alle Zukunft hier wieder einmal einzulaufen. Ich werde das befolgen.


23. 08. 2010
Standort: φ 55°42,89N λ 010°01,01E (Juelsminde - DK)

Inzwischen meldet sich über Lyngby Radio auch wieder das Wetter zu Wort: Das von uns erwartete Hoch namens Fred bleibt dann doch aus, stattdessen macht sich ein Sturmtief von Südengland auf den Weg zu uns. Südwest der Stärke 7 bis 8 Bft. mit schweren Orkanböen wird für Skagerrak und Kattegat angesagt. Da wird es Zeit sich ein besseres Plätzchen zu suchen. Wir entscheiden uns für Juelsminde, weil dort zwecks Versorgung das Stadtzentrum nicht weit ist und der Hafen mehr Sicherheit als Koby Kås verspricht. Nachts donnern dann dort auch schwere Schauerböen über uns hinweg, die Orkanböen sind uns im südlichen Kattegat glücklicherweise erspart geblieben.
Heute, zwei Tage später, hört sich der Seewetterbericht vom Deutschen Wetterdienst noch nicht viel besser an.
25. August, die Wetterlage:
Umfangreiches Sturmtief 985 östlich Oslofjord, langsam abschwächend, ostziehend, heute Nacht 988 Finnischer Meerbusen.
Trog 992 Bottenbusen, abschwächend. Weiterer Trog 996 Kattegat,
1008 Mecklenburg, rasch ostschwenkend (…) Tief 1002 südwestlich von Irland, nordostziehend, heute Nacht 1004 Südengland.


26. 08. 2010
Standort: φ 55°15,66N λ 009°43,82E (Årø - DK)

Das Wetter taugt nicht unsere Stimmung aufzubauen. Und so „verlegen“ wir, dem Drang nach Süden folgend, zur kleinen Insel Årö. Doch bis dahin liegen noch fast 40 Seemeilen vor uns. Die „Tin-Tin“ verlässt das Kattegat, segelt bei Fredericia in den Kleinen Belt ein. Doch nun wird’s eng und kurvig. Zwei Brücken werden passiert, der Wind ist weg aber der Strom schiebt kräftig mit. (Hurra, die Natur ist diesmal auf unserer Seite!) Dennoch muss der Motor ran. Unmittelbar vor der Einfahrt zum großen Yachthafen Middelfart entscheiden wir weiter zu fahren. Der Tag hat noch viele Stunden.
Ein Kartenplotter ist eine feine (und bequeme) Sache. Nur, man sollte ihm den nötigen Respekt zollen. Mich aber reitet der Teufel, eigentlich wohl wissend, dass Sände auch wandern können, fahre knapp an der Zwei-Meter-Tiefenlinie um die Landspitze, um Weg zu sparen. Und schon „hoppelt“ die „Tin-Tin“ zwei-, dreimal über eben diesen Sand. Ein Hart-Backbord-Manöver bereitet diesem Schrecken ein Ende, wir sind sofort wieder frei. Hanni erschrickt sich unten am Kartentisch, schaut entsetzt und vorwurfsvoll ins Cockpit. Mir bleibt nur ein „Argument“, welches mir unverzüglich einfällt: „Nun sind wir die Seepocken unter der Kielsohle endlich mal los…“ Doch Hanni akzeptiert dies leider nicht. Pech für mich.
Im Fischer-, Fähr- und Sportboothafen Årø findet sich sofort ein Liegeplatz am Schwimmsteg, achtern an Pfählen. Der Betonschwimmsteg ist nieder, der Bug hoch, da hilft nur die Einhängeleiter, um der „Frau vorm Mast“ das Aussteigen zu ermöglichen. Ein freundlicher Motorbootfahrer hilft die Vorleinen zu belegen, und so sind wir nachmittags gegen 3 Uhr fest. Der Hafen bietet alles, was man so „zum Überleben“ braucht, außer Luxus. Und diesem „Mangel“ trauern wir nicht nach. Wichtig ist uns Ruhe, ein wenig Hafenatmosphäre mit kommenden und gehenden Schiffen – nur so zur Abwechslung. Das haben wir hier. Doch dann, am Freitagabend, fallen die Dänen mit ihren Schiffen ein. Die einzelnen Crews scheinen sich zu kennen. Absegeln? Ende der Saison? Es scheint so, aber wir wissen es nicht. Die Yachten, Motorsegler und Motorboote werden förmlich leer geräumt. Mit Tragetaschen, Grill, Holzkohle, Fleisch und Würstchen (Pölser!), Lagen von Bier werden die umliegenden Tische und Bänke „eingenommen“. Die Skandinavier lieben das Feiern und die Geselligkeit in freier Natur. Während wir beide, Hanni und ich, im Schutz der Kuchenbude bei einem Glas Wein das Geschehen verfolgen, ziehen sich die Dänen noch eine Jacke mehr über und trotzen Wind und Wetter. Dazu muss man geboren sein.


29. 08. 2010
Standort: φ 54°59,54N λ 009°59,22E (Fynshav - DK)

Bei frischem Segelwind geht’s weiter im Kleinen Belt südwärts. Der anliegende Kurs wird nur hie und da leicht geändert, um Untiefen zu umsegeln. Eine schwarze Regenwand, die in Luv steht, zwingt mich ein Reff einzulegen. Ein paar Minuten später fällt diese Schauerböe über uns her, der Wind schralt und fordert dicht geholte Schoten. Doch bald ist diese Walze durch und die Sonne trocknet unser Ölzeug wieder. Reff raus und direkter Kurs nach Fynshav, einem Fährhafen im Westen von Alsen gelegen.
Unser letzter Auslandshafen ist damit erreicht, unser Törn geht zu Ende. Bis zum Überwinterungshafen Burgtiefe auf Fehmarn sind es nur noch ein paar wenige Seemeilen. Die letzten deutschen Häfen werden Maasholm in der Schlei und Laboe, am Ausgang der Kieler Förde gelegen, sein. Die dänische Inseln Alsen, Ærø, Fünen, Lolland, Seeland – nur, um mal die größten und bekanntesten zu nennen, liegen achteraus.
Wir, Hanni und ich, erinnern uns gern auch an die kurzweilige Zeit in den holländischen Kanälen und Flüssen, dem Ijsselmeer. Das Wetter der Nordsee hat leider unseren Plan, Skagen von West nach Ost zu runden, vereitelt. War der heftige, teils stürmische Nordwestwind doch Wochen unser Gegner vor Ort. O.k., mit einer „kampferprobten“ Männercrew hätte man es schaffen können. Doch wir wollten und konnten uns diesem Kampf gegen die Elemente nicht stellen und so haben wir zum Abschluss noch den Weg durch Dänemarks Inseln gewählt – als Abschluss sozusagen. Doch auch dort hat uns Wind und Wetter wieder unsere Grenzen gezeigt, uns zu Planänderungen gezwungen.
Zum Thema Wind und Wetter: Selten hat ein Seewetterbericht mehr als fünf, sechs Stunden das gehalten, was er versprach – und das nervt. Wie sagte mal ein erfahrener Segler? „Die Meteorologen sind sehr gut ausgebildete Leute, die am nächsten Tag fundiert begründen können, warum das Wetter des Vortages nicht so eingetroffen ist, wie sie es ankündigten.“
Soviel zum Thema Wetter. Nein, nicht ganz: Für morgen ist Nordwestwind angesagt – spitze für unseren letzten Kurs nach Süden. Es wäre zu schön… Ich tippe allerdings auf Südsüdwest!

Ende Holland-Törn 2010
Fynshav (Dk), 31. August 2010

Michael und Hanni Albert
Crew SY „Tin-Tin“

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02.09.2010,20:49:42 Logbuch SY „Tin-Tin“10
20. 08. 2010
Standort: φ 56°24,24N λ 010°55,49E (Grenaa - DK)

Der Tag beginnt für uns wie seit Tagen nicht mehr: Die Morgensonne steht am blauen Himmel, eine freundliche Brise weht aus Südwest, der Hafenmeister schenkt uns eine Übernachtung und verabschiedet sich per Händedruck von mir.
24.08.2010,14:29:54 Schatzkistle
Traditionell Mitte August konnte dieses Jahr die Präsidentin des Segel- und Motorbootclub Überlingen, Gabriele Kromer-Schaal, 25 Mannschaften zur Regatta begrüßen.
20.08.2010,12:10:45 Brüder Schaal Vierte bei IDJM
Brüder Schaal Vierte bei der Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaft der 420er
Frederik und Henrik Schaal vom Segel- und Motorbootclub Überlingen schrammten nur knapp an einem Podestplatz vorbei und erreichten Platz 4.
19.08.2010,21:24:40 Logbuch SY „Tin-Tin“ 9
09. 08. 2010
Standort: φ 55°48,97N λ 010°38,40E (Ballen / Samsø - DK)

Ballen ist wie immer voll. D.h.
09.08.2010,11:30:54 Logbuch SY „Tin-Tin“ 8
29. Juli 2010 Standort: φ 54°20,36N λ 010°09,50E (Kiel)
Vor uns liegen die Schleusen von Kiel-Holtenau.

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